Kleinhirn macht Vorhersagen
Tübinger Wissenschaftler zeigen, dass Gehirn-Netzwerke, die Bewegungen steuern, zu zeitlich ungewöhnlich präziser Informationsverarbeitung fähig sind (Juli 2012).
Die biologische Kontrolle von Körperbewegungen besticht durch Vielseitigkeit und Eleganz und bleibt unübertroffen im Vergleich zu der von Robotern. Spitzensportler führen Bewegungen mit einer zeitlichen Präzision von einer Tausendstelsekunde aus. Wie das Gehirn solche präzisen Bewegungen steuert, ist weithin ein Rätsel.
Die Ergebnisse der Studie, an der auch Peter Thier (BCCN und Eberhard Karls Universität Tübingen) beteiligt ist, zeigen den Weg, den das Gehirn nutzt, um ein entscheidendes Problem der Bewegungskontrolle – die verspätete sensorische Rückmeldung - zu lösen: Bei der Bewegung etwa eines Armes wird über unsere Sinnessysteme der aktuelle Zustand des Armes an das Gehirn rückgemeldet. Die zeitlichen Verzögerungen durch die Nervenbahnen zum Gehirn ergeben aber eine kritische Verzögerung und die Informationen erreichen das Gehirn zu spät, um das Bewegungsprogramm zu beeinflussen. Das Kleinhirn überbrückt diese Lücke durch die Erzeugung einer Vorhersage über die erwarteten sensorischen Auswirkungen der Bewegung für die Bewegungskontrolle und für die Wahrnehmung der Bewegung.
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Bild auf der Übersichtsseite: © Dieter Schütz / www.pixelio.de
